Mittwoch, 16. Dezember 2020

Let's Dance!

Schon seit einiger Zeit bin ich kein großer Fernsehgucker mehr. Filme, die nach meinem Geschmack sind, laufen zu selten und auch sonst bin ich, was das Programm angeht, eher wählerisch. Viele Sender meide ich komplett. Um nur ein Beispiel zu nennen: RTL. Die einzige Sendung, die ich mir dort anschaue, dafür aber auch wirklich regelmäßig, ist "Let's dance". Ich kann mich noch erinnern, wie wir damals eine Folge mit Hape Kerkeling bei meiner Oma schauten und uns dabei köstlich amüsierten. Seitdem bin ich der Show treu geblieben. 
Vor ein paar Tagen überkam mich spontan die Lust, doch mal nachzusehen, ob es bereits Infos zur neuen Staffel gibt. Zunächst einmal fand ich den Hinweis, dass sie im Februar starten soll, ein genaues Datum hat man wohl noch nicht parat. Dafür berichten mehrere Online-Klatschblätter, Esther Schweins sei die erste feststehende Kandidatin für 2021. Sie würde schon seit längerem angeworben, hätte bis jetzt aber immer abgelehnt. Dieses Mal scheint es allerdings Hoffnung auf eine Zusage zu geben. 
Im Juni veröffentlichte tvmovie.de einen Artikel, in dem die Befürchtung offenbart wurde, Massimo Sinato würde im nächsten Jahr möglicherweise nicht an "Let's Dance" teilnehmen. Die angeführten Gründe erschienen mir allerdings eher an den Haaren herbeigezogen: Er sei bei der Profi-Challenge 2020 schon nicht dabei gewesen. (Na und? Das muss ihn doch nicht davon abhalten, im Jahr darauf wieder bei "Let's Dance" mitzumachen!) Außerdem seien er und Lili Paul-Roncalli in der vergangenen Staffel zu gut gewesen. Das Talent beider sei in Kombination miteinander wie ein Wettbewerbsvorteil erschienen. (Wem erschien das so und wieso? Und seit wann sind in der Sendung Talent und gutes Tanzen nicht mehr gefragt? Valentin Lusin hat 2019 zusammen mit Ella Endlich die meisten 10er-Wertungen in der Geschichte der Show abgeräumt. Sollte man ihn dafür etwa auch rauswerfen?!) Des weiteren, meinte man, könnte der Sender vielleicht Platz für neue Talente schaffen wollen. (Nun gut, das ist möglich. Sylvie Meis hat man auch recht überraschend durch Victoria Swarovski ersetzt. Allerdings ist Massimo ein so fester und bei vielen gern gesehener Bestandteil von "Let's Dance", dass ich mir nicht vorstellen kann, dass man ihn aus genanntem Grund vor die Tür setzt. Zumindest noch nicht.)

Die Sorge der tvmovie-Redakteure, Massimo könne 2021 fehlen, schien zwei Monate später bereits wieder verflogen zu sein. Jetzt schrieb man, Sinato solle (eventuell) bereits wissen, mit wem er in Staffel 14 tanzt. Gewünscht hat er sich angeblich entweder Heidi Klum (seit er zusammen mit Ehefrau und Model Rebecca Mir einen Gastauftritt bei GNTM hatte) oder Barbara Schöneberger. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass Heidi Klum sich auf eine Teilnahme einlässt. Sie lebt nicht in Deutschland und würde sicherlich weder pendeln (falls Corona-bedingt überhaupt möglich), noch für den entsprechenden Zeitraum hierher ziehen wollen. Außerdem glaube ich nicht daran, dass sie überhaupt große Lust verspürt, bei einem solchen Format mitzumachen. Sie gibt sich zwar stets so, als sei sie für jeden Spaß zu haben, doch hat sie schließlich auch ein Image aufrechtzuerhalten. Und wenn wir mal ehrlich sind, birgt "Let's Dance" eine gewisse Gefahr für seine Teilnehmer, sich zu blamieren. Wer will schon als erstes rausfliegen? (Zugegeben, bei Heidi Klum wohl eher unwahrscheinlich.) Und wer will schon einem breiteren Publikum seine Schwächen und persönlichen Grenzen offenbaren, was früher oder später zwangsläufig bei jedem der Kandidaten passiert? Hier stelle ich mir die Frage, ob eine Heidi Klum es nötig hat (oder es bei sich selbst für nötig befindet), ihren Kritikern eine derartige Angriffsfläche zu bieten. Könnte es also für Massimo am Ende auf Barbara Schöneberger hinauslaufen? Wir werden sehen. Ich halte es jedenfalls für die wahrscheinlichere Variante. 


Wie sieht es mit euch aus? Welche Promis würdet ihr gerne als "Let's Dance"-Kandidaten übers Parkett wirbeln sehen? Ich fände ja zur Abwechslung mal einen Politiker spannend. (Angela Merkel? Karl Lauterbach? Peter Altmaier?) Seit Heide Simonis in Staffel 1 hat sich offensichtlich keiner mehr getraut. Jetzt könnte man sich fragen, warum das so ist. Vielleicht hat unsere Regierung einfach zu wenig am Hut mit Musik und Tanz und deshalb schlichtweg kein Interesse? Oder ist es doch die Angst, man könne sich ungewollt zum Affen machen? Immerhin hat die Presse Frau Simonis damals ziemlich auseinandergenommen. Und gerade jetzt, in Zeiten von Corona, ließe die Kritik bestimmt nicht lange auf sich warten. Trotzdem glaube ich, dass der eine oder die andere durch eine Teilnahme zumindest beim meist netten und verständnisvollen "Let's-Dance"-Publikum und somit bei den Wählern einige Pluspunkte sammeln könnte, wenn er oder sie es nur richtig angeht, sprich: sich nicht künstlich unsympathisch gibt, wie zum Beispiel Niels Ruf oder der "Checker", die es ja geradezu darauf angelegt haben, sich unbeliebt zu machen (wobei letzterer ja irgendwann noch halbwegs die Kurve kriegte).


In jedem Fall bin ich gespannt auf die neuen Kandidaten und werde die kommende Staffel hier ein wenig begleiten und kommentieren. Es würde mich freuen, wenn ihr wieder vorbeischaut.

Dienstag, 8. Dezember 2020

Auf die vornehme Art

Nicht erst seit Corona gehe ich weniger gern ins Kino als im Heimkino zu bleiben. Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass ich introvertiert bin, dann und wann sicherlich auch mit Bequemlichkeit, vor allem aber damit, dass ich vornehmlich Streifen mag, die bereits einige Jahre auf dem Buckel haben. Nicht, dass nicht auch unter den neu erscheinenden Filmen mal einer dabei ist, den ich mir anschauen würde, die allermeisten aber reizen mich nicht. Hektik, Erotik, Brutalität? Nicht mit mir! Nennt mich ruhig altmodisch, aber ich bevorzuge die (weitestgehend) "harmlosen" alten Schinken, die nicht be-, sondern entschleunigend wirken, die zum Entspannen, Träumen und Lachen anregen, ohne zu belasten oder unnötig meine Nerven zu strapazieren. 
Im Großen und Ganzen kann man zwar sagen, dass die Geschichten über die Jahre dieselben geblieben sind - in Liebesgeschichten geht es immer noch ums Verliebtsein und (manchmal) ums Heiraten und in Krimis um listige Bösewichte und ausgefuchste Ermittler -, aber die Art und Weise, die Story zu erzählen, hat sich mit der Zeit gewandelt. Während man früher noch eine gewisse Vornehmheit an den Tag legte und gewisse Szenen im richtigen Moment sanft ausblendete, setzt man heute auf schockierend schonungslose Unverblümtheit. 
Ich kann nicht sagen, dass nun das eine besser oder schlechter ist als das andere. Ich denke, beide Wege der Darstellung haben ihre Daseinsberechtigung. Was am Ende angebracht und passend ist oder eben auch nicht, das muss jeder Filmemacher für sich selbst entscheiden, je nachdem, welche Absichten er verfolgt, welche Aussage durch die Geschichte deutlich werden soll und natürlich auch orientiert an Alter und Interesse des Publikums. Ich kann nur für mich sprechen und muss sagen, dass mich das immer krasser, immer schneller, immer skrupelloser der heutigen Zeit eher abschreckt als fasziniert und dass, stünde ich vor der Wahl, ich mich wohl in den meisten Fällen ganz ladylike für die vornehm zurückhaltende Art von Film entscheiden würde. 

Freitag, 6. März 2020

Der Bär (welcher auch immer)

Schon der Titel dieses französischen Werkes von 1988 mutet seltsam an, da nämlich nicht nur einer, sondern gleich zwei Bären im Film vorkommen, um die sich die Geschichte rankt. Und so kommt unweigerlich die Frage auf: Welcher der beiden ist mit „Der Bär“ denn nun gemeint? Der kleine oder der große Bär?

Eine Inhaltsangabe:
Die Geschichte an sich beginnt traurig. Beim Ausrauben eines Bienennestes wird die Mutter des kleinen Bären von einem sich lösenden Felsbrocken erschlagen, was den kleinen Bären zu mitleiderregendem Weinen veranlasst. Ja, es klingt wirklich so, als hätte man die eigentliche Tonspur zusätzlich mit einem leisen Kinderwimmern unterlegt – mit einem sehr menschlichen Kinderwimmern. Dazu noch theatralische Musik, die das Ganze untermauert. Offensichtlich will man uns zum Heulen bringen. Doch ich kann mich beherrschen.

Nach der ersten Viertelstunde Spielzeit taucht erstmalig der große Bär auf – und dann ein Eichhörnchen, das ihm aus Versehen einen Tannenzapfen auf den Kopf fallen lässt. Verständlicherweise möchte es ungern aus Rache von ihm verspeist werden. Es huscht ängstlich durch den Baum und gibt dabei sehr eindeutige Meerschweinchengeräusche von sich. Ja, wirklich – Meerschweinchengeräusche! Das finde ich ziemlich verstörend. Aber auch äußerst lustig. Wahrscheinlich wussten die Männer vom Ton nicht, was ein Eichhörnchen so für Geräusche macht. Da dachten sie sich: „Egal! Alle Tiere, die auf „-nchen“ enden, werden schon irgendwie ähnlich klingen!“

Um dem Film etwas Spannung beizumischen, befand man es für nötig, zwei Jäger auftauchen zu lassen. Nennen wir sie der Einfachheit halber „Opa-Jäger“ und „Schnösel-Jäger“. Die beiden entdecken den großen Bären, genauer gesagt: den großen Baum, an dem dieser sich genüsslich schubbert und der dabei ordentlich ins Wanken und Schwanken gerät – was aus der Ferne gut zu sehen ist. Andere Jäger orientieren sich an Fußspuren oder umgeknickten Grashalmen, diese hier an wackelnden Bäumen. Herrlich!
Nur wenige Augenblicke später erschießt der Schnösel-Jäger den großen Bären … Ach, nein, Moment! Er schießt ihn bloß an. Sonst wäre der Film ja auch irgendwie vorbei. Obwohl: Es gibt schließlich noch einen zweiten Bären und dann wäre auch wenigstens mal klar, welcher der beiden mit „Der Bär“ gemeint wäre, nämlich der noch lebende. Wie auch immer. Der große verwundete Bär rächt sich an den Jägern, indem er ihr Lager zerstört – und Opa-Jägers Pferd. Was traurig ist, weil das Pferd nun wirklich nichts dafür kann. Opa-Jäger ist sauer und schwört dem Bären, ihn zu töten.

In den darauffolgenden Minuten hinkt der große Bär durch die Gegend (wobei ich mich ununterbrochen frage, wie man einen Bären trainingstechnisch dazu bringt, so etwas zu tun?) und kühlt seine Wunden in Pfützen. Der kleine Bär – wer weiß schon, wo er zwischenzeitlich gesteckt hat? – spürt ihn auf und will mit ihm ziehen. Der arme leidende große Bär will kein zusätzliches Anhängsel und knurrt ihn böse an. Der kleine Bär will sich aber nicht abschütteln lassen. Elendige Bratze! Schließlich beginnt er, dem großen Bären die Schusswunde zu lecken – ob es ihm gelingt, auch die Kugel zu entfernen, verrät man uns nicht. Dem großen Bären jedenfalls gefällt’s. Er erwidert das Geschlabber. Geigen. Orchester. Hoffnung. Der kleine Bär ist nicht mehr allein. Der große auch nicht. Juhu! Die ersten dreißig Minuten des anderthalbstündigen Films hätten wir geschafft.

Die Bären gehen Fische fangen, dann jagen sie einen Hirsch. Beim letzteren robben sie bäuchlings näher an ihn heran. Ich bezweifle, dass Bären das in der Realität tatsächlich so machen – aber man belehre mich gern eines besseren, wenn man sich auskennt. Schließlich erlegen die beiden ihre Beute, wobei ich denke, der große Bär hat dabei den Bärenanteil (ha, ha!) erledigt. Genau kann ich es nicht sagen. Denn die Szene des Erlegens findet hinter einem Busch statt, weil’s ansonsten für den Zuschauer wohl zu brutal anzuschauen wär. Ja, oder weil man es filmisch schlecht umsetzen konnte, dass der große Bär dem Hirsch tatsächlich an die Kehle springt. Zumindest hätte man in diesem Fall auf die abschließende Bemerkung verzichten müssen: „Während der Dreharbeiten zu diesem Film sind keine Tiere zu Schaden gekommen.“
Es wird gefressen, dann geschlafen. Der kleine Bär hat einen Alptraum. Die hat er oft.

Wie sie so durch die Landschaft streifen, treffen die ungleichen Bärenkumpels eine Bärenlady. Der große Bär fällt erstmal ein paar Bäume, um sie zu beeindrucken. Der kleine Bär, der ihm alles nachmacht, ohne nachzudenken, rackert sich an einer kleinen Tanne ab. Oder ist es ’ne Fichte? Jedenfalls ohne Erfolg.
Die Bärenlady ist hin und weg – vom Großbären, nicht vom Kleinbären – und dann passiert, was eben passiert zwischen Männlein und Weiblein. Der kleine Bär guckt heimlich zu, scheint aber nichts von alledem zu verstehen. Er wirkt schnell gelangweilt, schläft beinahe ein, geht dann weg, um nach Zerstreuung zu suchen, findet Pilze – die falschen Pilze – und nimmt ein paar Bissen. Kennen Sie „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“, den zweiten Teil von „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“, wo Bridget in Thailand diese halluzinogenen Pilze isst? So in etwa muss man sich das hier auch vorstellen.

Nach einem gemeinsamen wilden Tag und einer darauffolgenden gemeinsamen ruhigen Nacht, haut der große Bär ab, während Ladybär noch schläft. Schuft! Wenigstens sein kleiner Bärenkumpel (der seinen Rausch inzwischen ausgeschlafen hat) bemerkt, wie er sich davon stiehlt und folgt ihm.
Opa-Jäger hatte Schnösel-Jäger in der Zwischenzeit allein gelassen, um Verstärkung zu holen. Nu is er wieder da: Inklusive drittem Mann und einer Meute Hunde. Darunter ein Lieblingshund. Woran man erkennt, dass es sich um einen Lieblingshund handelt? Erstens ist er als einziger Hund blond und wuschelig, anstatt dobermannartig. Zweitens wird er bei ihrer Ankunft erstmal innig vom Schnösel-Jäger geknuddelt. Man ahnt schon jetzt Böses.

Die Jäger machen sich auf die Jagd. Kein Mensch weiß, warum die eine Hälfte der Hunde angeleint ist, die andere hingegen nicht. Zumindest scheinen sie Fährte aufzunehmen, denn sie kommen den Bären näher. Aber auch Bären haben bekanntermaßen Nase und Ohren. Sie riechen und hören die Hunde von weitem, machen sich aus dem Staub, klettern in die Berge.
Verfolgungsjagd! Hunde kommen bedrohlich nahe. Kleinbär versteckt sich in einer Höhle. Großbär schlägt zu. Hunde fliegen durch die Luft. Großbär haut ab. Die restlichen Hunde hinterher. Jäger finden Lieblingshund verletzt in Spalte. (Hat man leider kommen sehen.) Opa-Jäger erschießt ihn. Schnösel-Jäger weint. Kleinbär wagt sich aus Höhle. Zu früh. Jäger entdecken und fangen ihn. Lebende Trophäe und so.

Zurück im Lager wird der kleine Bär von den Jägern geärgert. Bestimmt deshalb, weil er so klein und weniger deshalb, weil er ein Bär ist. Jedenfalls bezweifle ich, dass sie es mit dem großen Bären genauso gemacht hätten. Und sie scheinen nichts Besseres zu tun zu haben. Der Schnösel-Jäger versucht gar, ihm sprechen beizubringen. Opa-Jäger lacht. Beide scheinen den Tod ihres Lieblingshundes gut weggesteckt zu haben.
Man hört ein lauter werdendes Bellen und weiß: Die restlichen Hunde kehren heim ins Lager. Während die Jäger aufstehen und rufen, um es ihnen leichter zu machen, rettet sich der kleine Bär erstmal auf einen Baum, weil die Hunde (teilweise schwer verwundet) immer noch genug Kraft haben, ihn ordentlich zu verbellen.

Beim späteren Versuch des Kleinen, sich von seiner Fessel zu befreien, ertönen wieder sehr menschliche Geräusche – ein angestrengtes und ein bisschen verärgertes Kinderkeuchen. „Mensch, dieses doofe Seil muss doch abgehen!“
Ab geht das Seil leider nicht. Aber durchknabbern kann er es während der Nacht. Am nächsten Morgen finden die Jäger ihn schlafend zwischen toten Bärenfellen und finden das sehr amüsant. Sie ärgern ihn – mal wieder! –, indem sie ihm Essen vor die Nase halten und es ihm dann wieder wegnehmen.
Der große Bär ist währenddessen immer in der Nähe und beobachtet das Geschehen. Man weiß: Er will seinen Kumpel wiederhaben und wartet nur auf den richtigen Moment.

Die Jäger, die immer noch scharf auf den großen Bären sind, teilen sich auf, um ihn zu finden. Der Kleine wird im Lager zurückgelassen, zusammen mit einem verletzten Hund, der zunächst friedlich schläft. Doch der kleine Bär macht einen solchen Krach beim Ausrauben der Konserven, dass er die Aufmerksamkeit des armen Hundes erregt. Er springt auf und jagt ihn durchs Lager, ist zum Glück aber angeleint, sodass sich seine Leine mal hier und mal dort um die Bäume legt und er schließlich … nicht weiterkommt. Kleinbär nutzt die Situation aus, indem er sich direkt vor ihn setzt und ihn ärgert. Kleine Bratze!

Der Schnösel-Jäger sollte eigentlich auf seinem vorgesehenen Posten bleiben, hat dann aber schrecklichen Durst und sucht eine Bergquelle, um sich zu erfrischen. Da kommt rein zufällig – oder auch mit voller Absicht – der große Bär um die Ecke. Er macht ordentlich Stunk, scharrt ihm Dreck zu und brüllt ihn zusammen, dass die Sabber fliegt. Der Schnösel-Jäger macht sich klein und winselt um Gnade. Fliehen kann er nicht, da sich neben ihm ein Abgrund befindet. Der Bär zieht sein Ding ab und wird schließlich ruhiger. Man hört ihn förmlich denken: „Ach, komm, lass ich den Feigling eben leben!“ Dann geht er.

Der Schnösel-Jäger – immer noch aufs Abknallen programmiert – läuft und holt sein Gewehr, visiert an, kann dann aber nicht schießen. Auch den Opa-Jäger, der dazukommt, hält er davon ab, abzudrücken, indem er den Lauf seiner Flinte packt und ihm einen mitleiderregenden „Ja-ich-weiß-ich-bin-nicht-der-mannhafte-Jägerkollege-den-du-dir-immer-gewünscht-hast-Blick“ zuwirft.
Schließlich und schlussendlich packen die Jäger ihre restlichen Hunde zusammen und lassen den kleinen Bären gehen. Checken tut er es nicht und folgt ihnen. Der Schnösel-Jäger jagt ihn davon und dann weiß man: Freiheit! Jetzt ist alles gut!

Nichts ist gut. Neue Szene – neues Pech. Ein blutrünstiger Puma taucht auf und will dem Kleinen an den Kragen. Beim Weglaufen wieder so komisch menschliche Geräusche. Dann der Nahkampf: kleiner Bär gegen Puma. Der Kleine brüllt so laut er kann, was ziemlich albern klingt, weil er eben noch ein Baby ist. Trotzdem – man glaubt es kaum – verschwindet der Puma. Doch bevor der Kleinbär es sich selbst zuschreiben kann, bemerkt er, dass der Großbär hinter ihm steht. Dieser leckt ihn sauber. Und dann auch umgedreht. Musik und so. Wie gehabt. Die beiden sind wieder vereint. Jetzt ist wirklich alles gut. Jetzt latschen sie wieder zu zweit durch die Gegend. Schneeflocken. Wintereinbruch. Höhlensuche. Höhle gefunden. Immer hinein da. Winterschlaf. Mehr Musik. Alles friedlich und so. ENDE. Abspann. Lache immer noch über das Eichmeerschweinhörnchen.
PS: Und weiß auch im Nachhinein noch nicht, welcher Bär denn nun eigentlich „Der Bär“ ist.

Nachtrag: Inzwischen weiß ich immerhin, dass Eichhörnchen wirklich sehr meerschweinchenähnliche Geräusche produzieren können. Wer hätte das gedacht?

Montag, 30. April 2018

Nur nicht schlafen jetzt, John-Boy! (Katastrophenflug 232)

Da guckt man nichts Böses ahnend einen Flugzeugkatastrophenfilm und John-Boy Walton erscheint auf der Bildfläche! Nein, Spaß beiseite. Der besagte Film („Katastrophenflug 232“) aus dem Jahr 1992 gibt die Ereignisse des 19. Juli 1989 in Iowa wieder - ein Flugzeugunglück, bei dem wider Erwarten über die Hälfte der Passagiere überlebte, nicht zuletzt auch wegen der professionellen Arbeit der Rettungskräfte. Einsatzleiter Gary Brown wird von Richard Thomas (John-Boy Walton) verkörpert; auch Charlton Heston und James Coburn spielen mit.

Das Flugzeug, das sich auf einem Linienflug von Denver nach Philadelphia befand, hatte sämtliche Funktionen verloren, die nötig sind, um dieses sicher landen zu können. Bei der Notlandung auf dem Sioux Gateway Airport (Iowa) kam die Maschine schräg auf dem Boden auf, wodurch eine Tragfläche abbrach und zu brennen begann. Der Rest des Flugzeugs überschlug sich von einem großen Feuerball umgeben und brach schließlich in Stücke. Teile davon landeten im benachbarten Maisfeld, aus dem anschließend zum Erstaunen aller eine große Menge an Überlebenden herausmarschierte. Man sprach immer wieder von einem Wunder.
Die Presse war live vor Ort und filmte die Bruchlandung. Die Originalaufnahmen sind im Film zu sehen.

Ganzer Film (Deutsch):

Dokus:
Die Geschichte rund um die spektakuläre Notlandung wurde auch von den Machern der Doku-Reihen "Sekunden vor dem Unglück" und "Mayday - Alarm im Cockpit" abgehandelt.

Dienstag, 30. Januar 2018

Aha-Erlebnis: Jura-Park

Es fällt einem ja nicht immer gleich alles auf. Zum Beispiel, dass das Lachgummi eine humorvolle Anspielung auf das Weingummi ist. Oder dass der Januar bereits durch die Veränderung eines einzigen Buchstabens zum Jaguar wird. Oder dass das Wort Jurassic aus "Jurassic Park" vom geologischen Jura/jurassisch kommt. Wörtlich übersetzt müsste der Film im Deutschen also "Jurassischer Park" oder "Jura-Park" heißen. Nun ja, man lernt ja immer wieder gern dazu.

Donnerstag, 18. Januar 2018

Finde den Mörder!

Auf der Suche nach einer "Columbo"-Folge habe ich einen Spielfilm aus dem Jahre 1982 entdeckt, der zwar nichts mit "Columbo" zu tun hat (außer, dass er aus der Feder seiner Drehbuchautoren stammt), den es sich anzuschauen aber gelohnt hat. „Rehearsal for murder“ – im Deutschen: „Probe für einen Mord“ oder auch: „Eine Probe für den Mörder“ – ist ein Kriminalfilm nach altbekanntem Konzept: Mord. Wer war’s?



Hier eine kurze Zusammenfassung der Story (in der unter anderem der aus "Mit Schirm, Charme und Melone" bekannte Patrick Macnee und Jeff Goldblum zu sehen sind):
Ein Jahr nach dem vermeintlichen Selbstmord seiner Verlobten, einer Schauspielerin, trommelt ein Theaterautor mehrere ehemalige Kollegen zusammen, um mit ihnen ein von ihm selbst geschriebenes Theaterstück zu proben. Die Probe allerdings dient nur als Vorwand, um den Mörder seiner Verlobten zu entlarven.

Obwohl ich mehrfach von einem Verdächtigen zum anderen gehüpft bin – wie so oft beim Schauen von Krimis – stellte sich am Ende tatsächlich derjenige als schuldig heraus, den ich ganz zu Beginn in Verdacht hatte. (Juhu!) Auch, wenn ich zugeben muss, dass ich die schlussendliche Wendung der Geschichte so nicht habe kommen sehen.

Mein Fazit: Eine originelle und gut geschriebene Story. Selbstverständlich kann man sich darüber streiten, ob der Plan der Hauptfigur, den Täter zu ermitteln, in der Realität auch so gut aufgegangen wäre. Aber es ist am Ende eben nur ein Film – meiner Meinung nach ein durchaus empfehlenswerter. 

Ganzer Film (Englisch):

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Unsichtbar

Kennst du das auch, wenn du plötzlich Filme oder Serien wiederentdeckst, die du als Kind mal geschaut und längst vergessen hattest? Bei mir war das neulich so mit „Unsichtbar (Out of sight)“, einer 27-teiligen britischen Serie, die in den Jahren 1996-1998 produziert wurde und die damals auf KiKA lief.
Es geht um den 12-jährigen Joe Lucas, ein Wissenschaftsgenie, der eine Formel für ein Spray entwickelt, mit dem er sich (und auch Gegenstände) unsichtbar machen kann. Mithilfe dieses Sprays rettet er sich, seinen Kumpel Ali oder andere Leute oft aus heiklen Situationen. Joe führt außerdem weitere wissenschaftliche Experimente durch. Zum Beispiel versucht er ein Haarwuchsmittel für seinen glatzköpfigen Vater zu entwickeln oder herauszufinden, wie er den Stromverbrauch in seinem Labor, dem Gartenhäuschen, senken kann – einmal legt er dabei den Strom in der ganzen Stadt lahm.

Als ich nach langer Zeit wieder in die Serie hineinschaute, wurde mir klar, dass ich die Handlungen der einzelnen Episoden überhaupt nicht mehr im Gedächtnis hatte – keine einzige Szene kam mir bekannt vor. Ich konnte mich lediglich sehr vage des unsichtbar machenden Sprays entsinnen. Außerdem hatte ich Joe ein wenig älter in Erinnerung. Was nicht verwundert in Anbetracht der Tatsache, dass ich zur Zeit der Ausstrahlung gerade einmal halb so alt war wie er.


An welche Serien aus deiner Kindheit kannst du dich erinnern?

Folge 1 (1/2):

Folge 1 (2/2):

Donnerstag, 31. August 2017

Improvisations-patent!

Wenn ein tollpatschiger Pseudo-Inder alias Peter Sellers aus purem Versehen zu einer Party eingeladen wird, kann das eigentlich nur im Chaos enden. Zuerst schwimmt ihm sein Schuh davon, dann landet sein Brathähnchen im Haarteil einer Blondine, schließlich mündet alles in einer ziemlich schaumigen Pool-Planscherei.
„The Party“ von 1968 [deutsch: „Der Partyschreck“] ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus einem dünnen Drehbuch ein sehr sehenswerter Film entstehen kann. In der Tat war es so, dass die Darsteller während des Drehs ständig improvisierten und neue Zeilen dazudichteten. Der Regisseur soll schließlich lachend am Boden gelegen haben. Ich empfehle unbedingt, nicht nur den Film, sondern auch das Making-of anzuschauen. Es lohnt sich.

Fun-Fact am Rande: Soweit man auf Wikipedia nachlesen kann, war "The Party" Elvis Presleys Lieblingsfilm.

Trailer (Deutsch):

The Making of The Party (Englisch) (1/2):

The Making of The Party (Englisch) (2/2):

Dienstag, 20. Juni 2017

Tom und Jerry für Abgehärtete

Vor ein paar Jahren habe ich zufällig die Titelmusik zu „Der Geist und die Dunkelheit“ entdeckt und mochte sie sehr. Nun habe ich mir endlich auch den Film angesehen. Er erzählt die wahre Geschichte der Menschenfresser von Tsavo, zweier Löwen, die im Jahre 1898 innerhalb kürzester Zeit eine ganze Reihe von Bahnarbeitern erlegt und verspeist haben.
Ich finde ja, die Geschichte hat etwas von „Tom und Jerry“ – nur, dass die Löwen in puncto Intelligenz weniger dem Kater, denn der Maus ähneln. Egal, was man unternimmt, um sie zu fangen und zu töten, sie sind immer wieder schlau genug, ihren Jägern zu entkommen. Im Umkehrschluss will ihren Opfern das Entwischen nie glücken. Gefühlt wird, zumindest zu Beginn, alle fünf Minuten jemand aufgefressen. Aber abgesehen von der Übertreibung hier und da (die bedauerlicherweise bei fast jeder Nach-wahren-Begebenheiten-Story Anwendung findet, obwohl das meiner Meinung nach mitnichten notwendig ist), fand ich den Film ganz in Ordnung. Ja, ich mochte ihn sogar recht gern. Und zwar ziemlich genau so lange, bis Michael Douglas in Gestalt eines Großwildjägers auf der Bildfläche erschien. Was mich störte, war nicht nur die Arroganz der Figur, sondern auch die Tatsache, dass man sich hier ganz und gar nicht an die Wahrheit gehalten hat: In Wirklichkeit gab es diesen Großwildjäger nämlich gar nicht. Die Rolle wurde nur ins Drehbuch hineingeschrieben, um Douglas, der den Film (mit-)produziert hat, einen Schauplatz zu bieten. Alle anderen wichtigen Rollen waren bereits anderweitig besetzt. Zum Beispiel durch Val Kilmer, der den Ingenieur John Patterson verkörpert und den man dafür mit einer Nominierung für die Goldene Himbeere „belohnte“. Meiner Meinung nach hätte diese eher Douglas verdient gehabt; Kilmers schauspielerische Leistung fand ich dagegen gar nicht schlecht. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Die Kritiken waren eben teilweise sehr … naja, kritisch eben. Trotzdem gab’s immerhin einen Oscar für den besten Tonschnitt, was mich nicht weiter wundert, da ich den Soundtrack wie bereits erwähnt sehr mochte. Und was den Rest betrifft, so üben Geschichten, die auf wahren Begebenheiten beruhen schon allein aus diesem Grund eine gewisse Faszination auf mich aus.

Am Ende des Films wird einem übrigens der Hinweis gegeben, dass die beiden Menschenfresser (man hatte sie damals letztendlich doch noch erwischt) nun ausgestopft in einem Museum in Chicago zu bestaunen seien und dass einem bei ihrem Anblick heute noch angst und bange werden würde (oder so ähnlich). Nun ja, so ganz kann ich da nicht zustimmen. Die damaligen Tierpräparatoren schienen noch nicht allzu viel von ihrem Handwerk zu verstehen, denn so richtig echt wirken die Löwen nicht. (Einfach mal googeln!) Die Gesichter sind zu eingefallen, die Augen zu leblos und was noch erschwerend hinzukommt: Die echten Tsavo-Löwen – obwohl Männchen! – besaßen keine Mähnen. Im Film dichtete man kurzerhand welche hinzu, weil ... klar, Löwen ohne Mähnen machen als Bösewichte eben nicht viel her.

Sonntag, 11. Juni 2017

Alle Frauen werden verhauen

Im Deutschen schreibt sich der Titel des Films "MacLintock", im Englischen "McLintock!". Wieso weiß man nicht. Es handelt sich um einen Western mit John Wayne, der von klassischen Wayne-Filmen insofern abweicht, als der gute John hier bereits ein paar Jährchen älter ist und eher Ranchoberhaupt und Familienpapa verkörpert denn einen berühmt-berüchtigten Revolverhelden. Leute verhauen kann er aber trotzdem noch ganz gut. Nur bei seiner Frau (dargestellt von Maureen O’Hara) dauert es lange, ja, sogar bis zum Ende der Geschichte, bis er sie endlich übers Knie legt. Auch das Fräulein Tochter wird vermöbelt - von einem Angestellten ihres Vaters, mit dem sie sich dann schließlich verlobt. Logisch! Ich würde einen Mann auch sofort heiraten wollen, wenn er mir nur ordentlich den Hintern versohlt. (Vorsicht, Ironie!) Aber naja, andere Zeiten eben.
Die Story soll Parallelen zu "Der Widerspenstigen Zähmung" aufweisen. (Ich kann das schlecht beurteilen, da ich weder Theaterstück, noch Film gesehen habe.)
Im Großen und Ganzen ist die Story recht albern aufbereitet (aber Westernkomödien dürfen das ja) - mit vielen Schlägereien und weiblichem Gezeter und männlichem Gehabe und einer großen Schlammschlacht irgendwo in der Mitte. (Hatte ein bisschen was von Tough Mudder und sah sehr spaßig aus.)
Außerdem gibt es da noch ein Saufgelage zwischen McLintock und seiner Köchin, die - obwohl sie sonst so frei heraus ist - hier einfach nicht Nein sagen kann. Meine Lieblingsszene, denke ich.

Insgesamt ein trotz allem recht harmloser und somit familientauglicher Film, an dem wohl auch die halbe Familie Wayne mitgewirkt hat. Zumindest sind Waynes Sohn Patrick und seine Tochter Aissa zu sehen. Außerdem hat sein älterer Sohn Michael den Film produziert.

Ganzer Film (Deutsch):